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Geschäftsbericht 2025

Neue Wege gehen.

Geschäftsbericht 2025

Nachhaltigkeitsbericht – Umweltinformationen

Biologische Vielfalt und Ökosysteme (ESRS E4)

Wesentliche Auswirkungen, Risiken und Chancen in Bezug auf biologische Vielfalt und Ökosysteme

Continental hat ihre tatsächlichen und potenziellen negativen und positiven Auswirkungen sowie abstrakte und konkrete Risiken und Chancen in Bezug auf biologische Vielfalt und Ökosysteme gemäß den regulatorischen Anforderungen bewertet, wie im Kapitel Allgemeine Angaben (ESRS 2) beschrieben. Die allgemeinen Angaben umfassen einen Überblick über die Bewertung aller ermittelten Auswirkungen, Risiken und Chancen (Impacts, Risks and Opportunities, IROs), einschließlich der betrachteten Zeithorizonte.

In dieser IRO-Bewertung (IRO-Assessment) wurden die wesentlichen Auswirkungen, Risiken und Chancen im Zusammenhang mit Biodiversität und Ökosystemen ermittelt. Sie wurden zum leichteren Verständnis und für eine bessere Lesbarkeit in folgende IRO-Cluster gruppiert:

  • Schutz von Ökosystemen in der Lieferkette
  • Biodiversität in der nachgelagerten Wertschöpfungskette

Die Beschreibungen der potenziellen negativen Auswirkungen und abstrakten Risiken erfolgen aus einer geschäftsinhärenten Perspektive. Sie benennen allgemeine Auswirkungspotenziale und Risikoexpositionen basierend auf strukturellen Aspekten wie der Geschäftstätigkeit, geografischen Aspekten, dem Geschäftsmodell oder Produktcharakteristika. Dabei ist die Mitigation durch den im jeweiligen IRO-Cluster beschriebenen Managementansatz von Continental nicht berücksichtigt. Tatsächliche negative Auswirkungen, konkrete Risiken, positive Auswirkungen sowie Chancen werden aus der unternehmensspezifischen Perspektive beschrieben und berücksichtigen die Ergebnisse der Managementansätze. Eine ausführliche Definition der IRO-Typen ist im Kapitel Allgemeine Angaben (ESRS 2) in den Abschnitten Wesentlichkeit der Auswirkungen (Impact Materiality) und Finanzielle Wesentlichkeit (Financial Materiality) zu finden.

Die Beschreibungen der IROs sind jeweils für sich abgeschlossen zu betrachten, wodurch es zu Wiederholungen kommen kann.

Auf den folgenden Seiten werden die IROs der jeweiligen IRO-Cluster detailliert beschrieben. Zudem wird der für das jeweilige IRO-Cluster entwickelte Managementansatz dargestellt, der die beschriebenen Auswirkungen, Risiken und Chancen steuert. Zugleich werden dazugehörige Ziele, Maßnahmen und Kennzahlen erläutert (sofern vorhanden).

Schutz von Ökosystemen in der Lieferkette

Wesentliche Auswirkungen, Risiken und Chancen im IRO-Cluster Schutz von Ökosystemen in der Lieferkette

ID

Kurzbeschreibung

Art des IROs

Primärer
Zeithorizont

Erläuterung

24

Negative Auswirkungen auf Ökosysteme durch Landnutzungsänderungen in der Lieferkette

Potenzielle negative
Auswirkung

Kurzfristig

Die Lieferkette von Continental erstreckt sich über eine Vielzahl von Wertschöpfungsstufen in diversen Industrien, die unterschiedliche Materialien wie Ruß, Naturkautschuk, synthetischen Kautschuk, weitere Polymere und Metalle abbauen und herstellen. In diesen Ketten ergeben sich wesentliche prozess- und industrieinhärente potenzielle direkte negative Auswirkungen auf Ökosysteme und Biodiversität. In der tieferen Lieferkette besteht ein Potenzial für Land- oder auch Wassernutzungsänderungen, insbesondere in Rohstoffabbau und -herstellung. Für die Lieferkette von Naturkautschuk ergibt sich eine kautschukindustrie-spezifische potenzielle negative Auswirkung durch mögliche Entwaldung in den Anbauregionen.

25

Indirekte negative Auswirkungen auf Ökosysteme aufgrund weiterer Treiber in der Lieferkette

Potenzielle negative
Auswirkung

Kurzfristig

Durch die in den Kapiteln Klimawandel und Emissionen und Substanzen beschriebenen potenziellen negativen Auswirkungen in Bezug auf Treiber wie Treibhausgasemissionen, Schadstoffeinträge in Luft, Wasser und Boden sowie andere Störfaktoren der Industrien in der Lieferkette ergibt sich zusätzlich ein Potenzial für indirekte negative Auswirkungen auf die Biodiversität und den Zustand von Ökosystemen.

26

Sanktionen im Zusammenhang mit Entwaldung

Abstraktes und konkretes Risiko

Mittelfristig

Continental bezieht Materialien wie Naturkautschuk über globale Lieferketten. Daraus ergibt sich mit Blick auf die potenziellen negativen Auswirkungen in Bezug auf mögliche Entwaldung eine industrieinhärente Exposition gegenüber Effekten, die sich aus regulatorischen Entwicklungen im Zusammenhang mit Entwaldung ergeben können. Im Fall, dass es zu Verstößen gegen bestehende oder zukünftige regulatorische Anforderungen kommt, könnten daraus Bußgelder, Strafen oder Abhilfekosten entstehen, einschließlich möglicher Geschäftsaussetzungen. Mit dem Inkrafttreten der europäischen Entwaldungsverordnung (EUDR) ergibt sich eine konkrete Risikoexposition für Unternehmen der Kautschukindustrie, insbesondere aufgrund der Dynamik der Regulatorik und Unsicherheiten der neuen regulatorischen Anforderungen.

27

Unterbrechungen der Lieferkette und höhere Kosten für Materialien/Dienstleistungen im Zusammenhang mit Entwaldung

Abstraktes
Risiko

Mittelfristig

Continental bezieht Materialien wie Naturkautschuk über globale Lieferketten. Daraus ergibt sich mit Blick auf die potenziellen negativen Auswirkungen in Bezug auf mögliche Entwaldung eine industrieinhärente Exposition gegenüber Effekten, die sich aus regulatorischen Entwicklungen im Zusammenhang mit Entwaldung ergeben können. Im Fall, dass sich regulatorische Anforderungen in Bezug auf Entwaldung deutlich und schnell verschärfen, könnte sich die konform nutzbare Lieferantenbasis für Naturkautschuk reduzieren. Dies könnte zu höheren Materialkosten sowie potenziellen Unterbrechungen der Lieferkette führen.

Managementansatz für Schutz von Ökosystemen in der Lieferkette

Continental ist davon überzeugt, dass Mobilität und die Weltwirtschaft sauberer werden und sich hin zu zirkulärem Wirtschaften wandeln müssen, um Ökosysteme zu schützen und ihre Resilienz und Regeneration zu unterstützen. Wir bekennen uns in unserer Nachhaltigkeitsambition dazu, unsere Auswirkungen auf die Umwelt zu verringern, indem wir die Ressourceneffizienz verbessern, vorbeugende Maßnahmen ergreifen und gleichzeitig diese Praktiken auch entlang unserer Wertschöpfungskette fördern. Daher hat Continental Managementansätze implementiert, die die Auswirkungen, Risiken und Abhängigkeiten im Zusammenhang mit biologischer Vielfalt und Ökosystemen adressieren.

Der Managementansatz adressiert zwei wesentliche Treiber für Biodiversitätsverlust in der Lieferkette: Umweltverschmutzung und Entwaldung. Im Rahmen des verantwortungsvollen Einkaufs adressiert Continental indirekt auch Landnutzungsänderungen im Zusammenhang mit Entwaldung.

Für den Treiber Umweltverschmutzung hat Continental einen Managementansatz implementiert, um mögliche negative Umweltauswirkungen im Zusammenhang mit den verursachten Treibhausgasemissionen sowie der Entstehung von Schadstoffen in Luft, Wasser und Boden in der Lieferkette zu vermeiden und zu reduzieren. Diese Managementansätze sind im Kapitel Klimawandel (ESRS E1), Unterkapitel Scope‑3-Emissionen, Resilienz und Transformation der Wertschöpfungskette sowie im Kapitel Emissionen und Substanzen (ESRS E2), Unterkapitel Umweltschutz in der Lieferkette beschrieben.

Darüber hinaus hat Continental mit ihrer Einkaufspolitik für nachhaltigen Naturkautschuk einen spezifischen Managementansatz implementiert, um den Verlust biologischer Vielfalt durch Entwaldung, insbesondere durch den Anbau von Naturkautschuk, zu vermeiden und die Regulatorik für entwaldungsfreie Lieferketten einzuhalten. Da Naturkautschuk zugleich ein erneuerbares Material ist, ist es wesentlich für eine Kreislaufwirtschaft (siehe dazu Kapitel Ressourcennutzung und zirkuläres Wirtschaften (ESRS E5), Unterkapitel Zirkularität).

Der Fokus des Managementansatzes liegt auf den direkten Lieferanten und indirekt auf der tieferen Lieferkette. Continental erwartet von ihren direkten Lieferanten, dass diese die Prinzipien in ihre jeweiligen Lieferketten einfließen lassen. Bei nachhaltigem Naturkautschuk umfasst der Managementansatz explizit die Lieferkette bis zur Kautschukplantage.

Die Verantwortung für verantwortungsvollen Einkauf von Naturkautschuk liegt bei den jeweiligen Einkaufsabteilungen, die über eigene Spezialisten für Nachhaltigkeit und für Naturkautschuk verfügen und auch von den allgemeinen Nachhaltigkeitsabteilungen unterstützt werden. Die strategische Überwachung liegt bei den Gremien der Unternehmensbereiche und übergreifend beim Vorstand von Continental.

Die Verantwortung für die Umsetzung des allgemeinen Umweltschutzes in der Lieferkette wird im Kapitel Emissionen und Substanzen (ESRS E2) im Managementansatz des Unterkapitels Umweltschutz in der Lieferkette beschrieben. Die Verantwortung für die Reduktion von Treibhausgasemissionen wird im Kapitel Klimawandel (ESRS E1) im Managementansatz des Unterkapitels Scope‑3-Emissionen, Resilienz und Transformation der Wertschöpfungskette beschrieben.

Continental überprüft bei Geschäftspartnern in der Naturkautschuk-Lieferkette, ob sie die Einkaufspolitik für nachhaltigen Naturkautschuk in ihrem Geschäftsbereich einhalten und sie diese Grundsätze in ihrer gesamten Wertschöpfungskette weitergeben.

Die Anforderungen aus Lieferantenverpflichtungen können zu

Audits und Folgemaßnahmen, z. B. zu Korrekturmaßnahmenplänen (Corrective Action Plans, CAPs) oder anderen Mitigationsmaßnahmen, führen.

Zur Förderung von nachhaltigen Anbaumethoden führt Continental im Rahmen der gemeinsamen Entwicklungspartnerschaft mit der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) bei Kleinbauern in Indonesien direkt vor Ort entsprechende Schulungen durch. Das seit 2018 laufende Programm wurde im Jahr 2025 um drei weitere Jahre verlängert, und die Anzahl der geförderten Kleinbauern wird dadurch voraussichtlich auf 6.000 ansteigen. Diese Kooperation ist ein Beispiel dafür, dass Continental aktiv nachhaltige landwirtschaftliche Praktiken fördert, sich der sozialen Folgen der mit der Entwaldung verbundenen Auswirkungen auf die biologische Vielfalt bewusst ist und aktiv an einer Verbesserung arbeitet.

Ein weiterer relevanter Einkaufsprozess ist das sogenannte Risikomapping, z. B. auf der Grundlage der Risikoanalyse der Plattform Rubberway und verifizierter Selbstauskunftsverfahren, das die potenzielle Entwaldung an verschiedenen vorgelagerten Knotenpunkten in der Naturkautschuk-Lieferkette von Continental bewertet. Rubberway wurde in einer Industriekooperation entwickelt und hat Mechanismen zur Rückverfolgbarkeit von Naturkautschuk bis hin zur Naturkautschukplantage implementiert. Diese helfen dabei, das Verständnis und die Transparenz rund um die Beschaffung von Naturkautschuk zu verbessern.

Um Naturkautschuk aus verantwortungsvollen Quellen zu beschaffen, greift Continental u. a. auf die digitale Handelsplattplattform Agridence, ehemals HeveaConnect zu. Auf dieser Plattform lassen sich standardisierte Informationen zur Einhaltung von Sozial- und Umweltstandards, Qualitätskriterien und durchschnittlichen Verkaufspreisen transparent einsehen. Gleichzeitig bietet die Plattform die Möglichkeit, Informationen aus den Analysen von Rubberway einfließen zu lassen. Zudem werden weitere IT-Tools zur Rückverfolgbarkeit entlang der Lieferkette, inkl. Analyse potenzieller Entwaldung, genutzt.

Darüber hinaus ist die Zusammenarbeit innerhalb der Industrie, u. a. zur Verbesserung der Anbaumethoden, der Rückverfolgbarkeit und der Einhaltung der Sorgfaltspflicht, ein weiterer wichtiger Prozess für den Managementansatz. Continental ist Mitglied der Global Platform for Sustainable Natural Rubber (GPSNR). Diese beinhaltet eine jährliche Berichterstattung über Fortschritte und unterstützt einen branchenweiten Lernansatz, der zur Wirksamkeit des Managementansatzes beiträgt.

Als möglichen künftigen Hebel zur Verringerung des Drucks auf die Ökosysteme betreibt Continental das Forschungs- und Entwicklungsprojekt „Taraxagum“, das das Potenzial von Naturkautschuk aus Löwenzahn als Alternative für Naturkautschuk aus Kautschukbäumen in tropischen Regionen untersucht und entwickelt.

Neben der Formalisierung in internen Regeln, wie sie im Managementansatz zum Umweltschutz in der Lieferkette im Kapitel Emissionen und Substanzen (ESRS E2) beschrieben sind, umfasst das Regelwerk von Continental für biologische Vielfalt im verantwortungsvollen Einkauf insbesondere die folgenden öffentlichen Rahmenwerke:

  • Einkaufspolitik für nachhaltigen Naturkautschuk,
  • Verpflichtungen zu einer verantwortungsvollen Wertschöpfungskette (RVC Commitments), 
  • Verhaltenskodex für Geschäftspartner.

Der Managementansatz orientiert sich insbesondere an der Regulatorik zu Sorgfaltspflichten, wie dem deutschen Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) und der europäischen Entwaldungsverordnung (EUDR). Darüber hinaus wurde der Managementansatz mit der GPSNR harmonisiert.

Bei der GPSNR handelt es sich um eine Plattform, die verschiedene Stakeholder einbindet und die Interessen ihrer Mitglieder (von Kleinbauern bis hin zu Unternehmen der Naturkautschukverarbeitung, Reifen- und Automobilherstellern sowie zivilgesellschaftlichen Organisationen) berücksichtigt. Darüber hinaus werden öffentliche Konsultationen mit Nichtmitgliedern durchgeführt.

Die Konzernregeln werden extern über die Internetseite und intern über die verschiedenen Kanäle von Continental kommuniziert. Darüber hinaus werden alle neuen und bestehenden direkten Lieferanten aufgefordert, den Verhaltenskodex für Geschäftspartner zu unterzeichnen.

Biodiversität in der nachgelagerten Wertschöpfungskette

Wesentliche Auswirkungen, Risiken und Chancen im IRO-Cluster Biodiversität in der nachgelagerten Wertschöpfungskette

ID

Kurzbeschreibung

Art des IROs

Primärer
Zeithorizont

Erläuterung

28

Negative Auswirkungen auf die biologische Vielfalt in der Nutzungsphase und am Produktlebensende

Potenzielle negative Auswirkung

Kurzfristig

Durch die in den Kapiteln Klimawandel, Emissionen und Substanzen sowie Zirkuläres Wirtschaften beschriebenen potenziellen negativen Auswirkungen in Bezug auf Treiber wie Treibhausgasemissionen, Schadstoffeinträge in Luft, Wasser und Boden in der Produktnutzung und Entsorgung am Ende der Produktnutzung ergibt sich zusätzlich ein Potenzial für negative Auswirkungen auf die Biodiversität und den Zustand von Ökosystemen. Ein weiteres Potenzial für negative Auswirkungen, welches nur im weiteren Sinne mit der Produktnutzung verbunden ist, ergibt sich durch den Treiber der Landnutzungsänderung beim allgemeinen Ausbau der Straßeninfrastruktur. 

Managementansatz für Biodiversität in der nachgelagerten Wertschöpfungskette

Der Managementansatz von Continental für Biodiversität in der nachgelagerten Wertschöpfungskette adressiert Umweltverschmutzung, Klimawandel und die Behandlung der Produkte am Lebensende als wesentliche Treiber des Biodiversitätsverlusts. Die entsprechenden Managementansätze werden an anderen Stellen dieses Nachhaltigkeitsberichts beschrieben:

  • Managementansatz für Scope‑3-Emissionen, Resilienz und Transformation der Wertschöpfungsketteim Hinblick auf klimawandelbedingte negative Auswirkungen auf die biologische Vielfalt und Ökosysteme im Kapitel Klimawandel (ESRS E1).
  • Managementansatz für produktbezogene Aspekte bezüglich Umweltschutz im Hinblick auf die produktspezifische Reduktion von Umweltverschmutzung in der Produktnutzungsphase im Kapitel Emissionen und Substanzen (ESRS E2).
  • Managementansatz für Zirkularität im Hinblick auf Ressourcenabflüsse und Behandlung der Produkte am Lebensende im Kapitel Ressourcennutzung und zirkuläres Wirtschaften (ESRS E5).

Aufgrund der Beschaffenheit der Produkte von Continental wird der Treiber Landnutzungsänderung, wie z. B. Straßeninfrastruktur, in der nachgelagerten Wertschöpfungskette als außerhalb des Einflussbereichs von Continental liegend betrachtet. Daher wurde für den Treiber Landnutzungsänderung kein spezieller Managementansatz definiert.